Mit Kaffee und syrischem Gebäck – Erfahrungsaustausch über Berufsausbildung von Geflüchteten

Unternehmensfrühstück mit Input, neuen Kontakten und wichtigem Austausch für mehr als 20 Ausbilder*innen und Personalverantwortliche brandenburgischer Unternehmen

Ausbildung von jungen Migrantinnen, Migranten und Geflüchteten verlangt viel von Unternehmen und Azubis. Erstrecht, weil immer noch viel zu wenig Bewerber*innen kommen, es Arbeit im Überfluss gibt, Zeit und Regelinstrumente der Schulen für die Herstellung der Berufsschulreife oft fachlich und sprachlich nicht ausreichen, vielfach lange Wege zwischen Wohnung, Betrieb und Berufsschule zurücklegt werden müssen und nach wie vor viele Unsicherheiten – z.B. in Bezug auf den Aufenthaltsstatus von Auszubildenden bestehen. Allmählich steigen zwar im Land Brandenburg die Zahlen der jungen Migrantinnen, Migranten und Geflüchteten, die in dringend gebrauchten Berufen freie Ausbildungsplätze besetzen, aber neben den guten Beispielen dafür, dass Teams und ihre internationalen Azubis diese Herausforderungen gut bewältigen, gibt es immer noch Hürden im Ausbildungsalltag. Weil das so ist und die Fragen der Unternehmen vor allem nach Ausbildungshilfen und Unterstützungsmöglichkeiten nicht abreißen und viele Unternehmen jetzt ihre ersten Ausbildungserfahrungen machen, hatten das DIHK-Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge (WIN)“, das „Welcome-Integration-Network“ der IHK Potsdam und die KAUSA Servicestelle Brandenburg am 13. November 2019 zum zweiten Unternehmensfrühstück eingeladen.

Unternehmensfrühstück in Potsdam - mit Impulsvorträgen und Erfahrungsaustausch
Unternehmensfrühstück mit mehr als 20 Unternehmensvertretern aus Brandenburg

 

Unternehmensfrühstück zum Erfahrungsaustausch
Ellen Böttcher (DIHK) an der Pinnwand mti den Herausforderungen der Unternehmen bei der Ausbidlung von Geflüchteten

 

Es kamen mehr als 20 Ausbilderinnen, Personalverantwortliche und sogar Geschäftsführer von Firmen und Institutionen aller Größenordnungen, mit und ohne Erfahrungen, um sich bei Kaffee, Croissants, frischem Obst und syrischem Gebäck auszutauschen und neue Anregungen und Informationen mitzunehmen. Drei kurze Impulsvorträge gaben dafür den Auftakt. So sprach die Projektleiterin der KAUSA Servicestelle Charlotte Kruhøffer darüber, wie sprachliche Herausforderungen gemeistert werden können. Sie berichtete über persönlichen Erfahrungen beim Deutschlernen und empfahl, über eindeutige Formulierungen und einfache Sprache den Einstieg in die für ausländische Azubis schwierige Berufsfach- und Umgangssprache hinzubekommen. Wichtig sei dabei, immer wieder nachzufragen, ob und was genau verstanden wurde. Kommunikationsfehler und oft auch interkulturell bedingte Missverständnisse sind immer noch Hauptgrund für die meisten Ausbildungsabbrüche von zugewanderten Azubis. Ergänzend dazu stellte Kirsten Mengewein vom ARBEIT UND LEBEN DGB/VHS Berlin-Brandenburg e.V. eVideos (s. www.lernen-mit-evideo.de) als Instrumente für Unternehmen vor, mit denen sie über Storytelling z.B. Wissen über wichtige Grundbildungsthemen platzieren können. Hier sind auch branchenbezogene eVideos zum Arbeitsschutz und Podcasts kostenlos nutzbar. Sie bieten Lernszenarien, in denen speziell junge Leute effektiv und modern Lernen können und das mit Inhalten, die bei Bedarf der Unternehmen anpassbar sind.

Unternehmensfrühstück in Potsdam - ein wichtiges Thema dabei waren auch die Fördermöglichkeiten für Betriebe und Azubis
Simone Möhring von der Jugendberufsagentur Potsdam spricht über Fördermöglichkeiten für Betriebe und Azubis

 

Austausch beim Unternehmensfrühstück in Potsdam

 

Faran Yabroudi von der IHK Potsdam und Simone Möhring von der Jugendberufsagentur Potsdam gaben mit den aktuellen Förderinstrumenten der Agentur für Arbeit und der Jobcenter für Betriebe und Azubis Anknüpfungspunkte für Diskussion in der großen Runde. Dabei zeigte sich, dass viele der Unternehmen die „Assistierte Ausbildung (AsA)“, die „Einstiegsqualifizierung (EQ)“ und die „Ausbildungsbegleitenden Hilfen (ABH)“ mit konkreter und unkomplizierter Nachhilfe und ganz speziellen individuellen Fördermöglichkeiten gar nicht kannten.

Muhamad Hamzaalemam, ein junger Syrer, der als Mitarbeiter und Auszubildender der Privatbäckerei Wiese zum Unternehmensfrühstück gekommen war, berichtete, wie ihm besonders die Nachhilfe in Mathematik geholfen hat, praktisch zum Klassenbesten in diesem Fach zu werden. Dabei hätte er zu Beginn seiner Ausbildungszeit, wie zwei andere ausländische Azubis, fast aufgegeben. Damals kam er nicht mit, wurde von seinen Mitschülern an der Berufsschule kaum wahrgenommen, geschweige denn gefragt, wie er klarkommt. Inzwischen kann er zeigen, dass er Mathe versteht und wird seitdem häufig gefragt. So entwickeln sich jetzt langsam Kontakte zwischen ihm und den anderen Berufsschüler*innen.

Blick in die Runde beim Unternehmensfrühstück
Blick in die Runde beim Unternehmensfrühstück

 

Weil leider auch viele Azubis mit Migrations- oder Fluchthintergrund Schwierigkeiten haben, die Prüfungsfragen der Kammern zu verstehen, gab Ellen Böttcher vom WIN des DIHK den Unternehmen zu diesem Thema ein paar wichtige Empfehlungen für eine effektive und vor allem langfristige Prüfungsvorbereitung mit. Sie fange bei einem guten Zeitmanagement an. Auch das Üben des Verständnisses der Formulierungen in den Aufgabenstellungen sei überaus wichtig – hier müsse über die Fachworte oder Aufforderungen wie: „Informieren Sie sich …“, „Markieren Sie…“, „Entscheiden Sie …“ oder „Begründen Sie …“ erschlossen werden, was genau zu tun ist. Natürlich sei das für alle Prüfungsteilnehmer*innen schwierig, wenn völlig unnötig für einen Begriff im Text vier verschiedene Synonyme verwendet werden oder mit doppelter Verneinung Fragen kompliziert gemacht würden. Auch die gezielte Bewältigung von Prüfungsangst, z.B. über Coaching kann viel bewirken und hoffentlich das Scheitern durch Ausbildungsabbrüche auf den letzten Metern, vermeiden.

Als gute Empfehlung gibt Ellen Böttcher in ihrem Impulsvortrag die Erfahrungen von Unternehmen weiter, die z.B. mit Paten- und Mentoringprogrammen geschafft haben, ihre Azubis in ihre Teams einzubinden und da zu sein, wenn sie fachliche Stärkung oder Motivationsstützen brauchen. Über Paten können Teams nicht nur neues Wissen, sondern auch wichtige Werte und Verhaltensweisen besonders gut vermitteln. So könnten Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden und Ausbildung gelingen.

Die Diskussion ergab darüber hinaus auch, dass für einige Unternehmen die Gefahr von Abschiebungen der Azubis, ein echtes Problem darstellt. Unverständnis gab es besonders dann, wenn beide gut miteinander auskommen, die Azubis lernmotiviert, offen und fleißig sind, schon gut in die Teams integriert werden konnten, bleiben möchten und beide Seiten echte Entwicklungsperspektiven im Unternehmen sehen. Auch für solche Probleme bot Simone Möhring von der Jugendberufsagentur die Beratung und Vermittlung für Unternehmen an.