Vom Zuschauen zur Ausbildung: Wie Oleksandr durch praktische Einblicke seinen Beruf gefunden hat

Ein Neuanfang nach der Flucht

Oleksandr Kyvezhdi kommt aus Uschhorod, Hauptstadt im Oblast Transkarpatien in der Ukraine. Im Jahr 2022, kurz nach Beginn des Krieges, kam er gemeinsam mit seiner Mutter nach Deutschland.

Die ersten vier Monate lebten sie in Berlin. Besonders in Erinnerung geblieben ist Oleksandr die große Hilfsbereitschaft: Menschen begrüßten die Kriegsflüchtlinge am Bahnhof, nahmen sie bei sich auf.
„So etwas kannte ich vorher nur aus Filmen“, erzählt er.

Später zog er mit seiner Mutter nach Cottbus. Dort begann für ihn ein neuer wichtiger Schritt: Deutsch lernen.

 

Die ersten Schritte in Deutschland – und bei KAUSA

Oleksandr startete mit einem Deutschkurs und lernte die Sprache bis zum Niveau B2. Am Anfang konnte er kein Deutsch – heute spricht er sicher und ist motiviert weiterzulernen.

Seine Mutter hörte über Telegram von unserem Projekt. Kurz darauf gab es ein erstes Gespräch mit Anna Diadik, Projektreferentin der KAUSA-Landesstelle Brandenburg. Gemeinsam schauten sie seine Unterlagen und den Schulabschluss an und überlegten, wie sein Weg in Deutschland aussehen könnte.

„Damals habe ich zum ersten Mal das Wort Ausbildung gehört. In der Ukraine gibt es dieses duale System „Lernen in der Schule und Arbeiten im Betrieb“ so nicht.“, sagt Oleksandr.

 

Ein Schlüsselmoment: Die eigene Erfahrung

Im Jahr 2024 hatte Oleksandr eine Operation am Kreuzband. Danach folgten Reha und Physiotherapie. Während dieser Zeit beobachtete er genau, wie Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten arbeiten.

„Ich habe diese Arbeit praktisch gesehen und gedacht: Das kann ich auch.“

Er sprach mit Anna Diadik über seinen Wunsch. Sie empfahl ihm dringend, Praktika zu machen. Oleksandr absolvierte drei Praktika: eines in der Ergotherapie und zwei in der Physiotherapie. Jedes Praktikum dauerte zwei Wochen.

„Alle waren sehr nett, haben mir viel erklärt und gezeigt. Mir hat alles gefallen.“

 

Dranbleiben: Bewerbungen, Kurse und Eigeninitiative

Die Praktikumsplätze fand Oleksandr im Rahmen der Weiterbildungsmaßnahme beim Bildungsträger SBH Nordost. Dort recherchierte er täglich mehrere Stunden und arbeitete zusätzlich in einem Minijob. Er schrieb viele E-Mails – und bekam schließlich Zusagen: „Ich wollte keine Zeit verlieren“, sagt er

Der Weg zum Ausbildungsplatz

Nach dem abgeschlossenen B2-Kurs bewarb sich Oleksandr am MUL-CT. Zunächst bekam er eine Absage: Sein Deutsch reichte noch nicht ganz aus. Ihm wurde empfohlen, sich weiter vorzubereiten und es im nächsten Jahr erneut zu versuchen.

Oleksandr blieb dran – und es hat sich gelohnt. Nach schriftlichen und mündlichen Tests in verschiedenen Fächern wartete er zwei Wochen auf die Antwort. Dann kam die Zusage.

„Ich war in der Straßenbahn, als ich die E-Mail gelesen habe. Ich habe gelächelt und die Nachricht mehrmals gelesen – ich konnte es nicht glauben.“

 

Ausbildung mit Perspektive

Seit dem 1. Oktober 2025 macht Oleksandr eine dreijährige Ausbildung zum Physiotherapeuten. Die Berufsschule ist in Cottbus. Er ist hoch motiviert und sieht viele Zukunftschancen.

„Fast in jeder Straße gibt es eine Praxis. Das ist ein Beruf mit Perspektive.“

Für ihn ist die Ausbildung auch ein Weg in die Zukunft:

„Ich verbessere jeden Tag mein Deutsch, lerne Fachbegriffe und sehe die Möglichkeit, später vielleicht zu studieren. Jetzt habe ich angefangen – mal schauen, was in drei Jahren kommt.“

 

KAUSA gibt Sicherheit und Hoffnung

Auf die Frage, wie KAUSA ihn unterstützt hat, sagt Oleksandr:

„KAUSA gab mir Hoffnung und Sicherheit. Zu wissen, dass es eine Ansprechperson gibt, die an meiner Seite steht. Anna Diadik unterstützte mich bei Fragen, bei Entscheidungen – und auch jetzt noch während der Ausbildung“.

Oleksandr nahm außerdem an vielen KAUSA-Gesprächsrunden zur Berufsorientierung teil.

„Das war eine gute Möglichkeit, Deutsch zu hören und viele Berufe kennenzulernen. Man muss aktiv sein. Man kann nicht einfach warten – man muss selbst etwas dafür tun.“


Integration braucht Zeit, Unterstützung und Eigeninitiative. Mit der richtigen Begleitung können junge Menschen ihren Platz finden – in Ausbildung, Beruf und Gesellschaft.